Datenmüll 

 ist kostenlos!

 

 

 

(Gekürzter Auszug aus dem Kölner Stadtanzeiger Magazin; von Steffen Haubner)

 

Wer einen neuen Computer oder Notebook kauft, muss damit rechnen,

dass sich darauf zahlreiche unnütze Programme befinden

 

Umfangreiches OEM-Softwarepaket", verkündet der Prospekt. Eine "Windows 7 Starter Edition" und eine "Security Suite (Testversion)" sind auch schon mit an Bord. "Einfach einschalten und loslegen", lautet das Versprechen vieler Hersteller von Komplett-PCs.

 

Je mehr Software bereits beim Kauf installiert ist, desto besser, denkt sich der Käufer. Hauptsache, es kostet nichts extra.

 

Was einem nicht gefällt, kann man ja hinterher immer noch entfernen. Doch ganz so einfach ist das nicht. Ob Notebook oder stationärer PC - die meisten im Elektromarkt oder online gekauften Rundum-glücklich-Computer werden mit bereits vollgepackter Festplatte ausgeliefert.

 

 

   

Hardware-Treiber und ein Betriebssystem wie Windows braucht jeder Rechner, damit Office-Anwendungen oder Spiele darauf laufen können. Doch schon hier beginnt der Ärger: Ist der Rechner nur mit der Windows 7 Starter Edition ausgestattet, statt mit einem ausgewachsenen Windows, fehlen wichtige Funktionen wie der schnelle Benutzerwechsel oder der DVD-Player.

 

Zwar kann man einiges davon durch kostenlose Alternativen ersetzen. Doch das kostet Zeit und man muss sich damit auskennen. Wer sich das ersparen will, muss zusätzlich eine Windows-Vollversion kaufen. Trügerische Demo-Versionen Noch trügerischer sind die vorinstallierten Test- oder Demo-Versionen. Sie funktionieren meistens nur einige Tage oder Wochen in vollem Umfang.

 

Danach kann die Vollversion aktiviert werden - natürlich kostenpflichtig. Statt eines nützlichen Programms bekommt der Käufer also im Grunde nur Werbung für ein Produkt, das er vielleicht gar nicht haben will. Und während früher zumindest das Betriebssystem häufig auf einem eigenen Datenträger daherkam, gibt es heute oft nur sogenannte Recovery-Discs. Wenn gar nichts mehr geht, kann der Rechner damit wieder in den ursprünglichen Zustand bei der Auslieferung zurückversetzt werden.

 

Allerdings mit der Folge, dass neben Windows jedes Mal auch sämtliche Beigaben installiert werden. Mitunter wird sogar ganz auf einen Datenträger verzichtet. Die Programme befinden sich in einem solchen Fall an einem versteckten Ort auf der Festplatte. Beim Starten des Rechners genügt eine bestimmte Tastenkombination, um das System neu aufzusetzen. Auch dann sind die Testprogramme automatisch wieder mit an Bord. Das ist nicht nur lästig, sondern auch nicht ganz ungefährlich.

 

Denn bei einer Neuinstallation sind die Programme wahrscheinlich schon veraltet und weisen möglicherweise eine ganze Reihe von Sicherheitslecks auf, die von Schädlingen für eine Infektion des Rechners ausgenutzt werden können. Eine normale Deinstallation der Programme reicht zudem häufig nicht aus, wie ein Eintrag im Forum der Fachzeitschrift "PC Welt" belegt.

 

Dort beschwert sich eine Nutzerin darüber, dass das auf ihrem PC vorinstallierte Antiviren-Programm zwar optisch beseitigt wird, aber weiterhin aktiv bleibt, ohne dass der Nutzer etwas davon ahnt. Die Folge in diesem Fall: Als der Rechner Monate später den Dienst versagte, funktionierte die Systemwiederherstellung nicht mehr. Statt der Rettung ihrer Daten bekam die Nutzerin nur den Hinweis, dass die Antiviren-Software nicht deaktiviert sei. Ihr Fazit: "Das ist eine Katastrophe!"

 

Der vermeintlich relativ preisgünstige Rechner sei damit "verdammt teuer bezahlt". (...) (...) Doch warum werden sie dann überhaupt erst installiert? Diese Fragen stellen sich viele Nutzer. Bei Toshiba betrachtet man die vorinstallierte Software als "zusätzlichen Service" für den Kunden. "Der Anwender soll das Gerät direkt nach dem Kauf nutzen können, ohne sich mühsam und meist auch kostspielig alle benötigten Applikationen anschaffen zu müssen", teilt der Hardware-Hersteller auf Anfrage mit.

 

Der Kunde könne die Programme eine bestimmte Zeit lang kostenfrei nutzen, sich mit der Software vertraut machen und testen, ob sie das Richtige für ihn sei. "Dabei werden keine exotischen Applikationen ausgewählt, sondern sinnvolle Lösungen von renommierten Partnern angeboten." Sei der Kunde mit der Software dann zufrieden, könne er die Nutzung einfach verlängern. "Dies ist aber kein Muss, sondern bleibt allein dem Anwender überlassen." Anderen Anbietern ist das Thema Vorinstallationen offenbar so unangenehm, dass sie sich gar nicht dazu äußern wollen.

 

Unter Branchenkennern ist es ein offenes Geheimnis, dass die Software-Firmen für ihre werbewirksame Präsenz auf der Festplatte bezahlen. Insgesamt kommen da rund 50 Euro pro PC zusammen. Die Software-Ausstattung ab Werk werde von den Konzernzentralen vorgegeben, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Da könne man eben nichts machen....

   
 

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